Dash Bitkom

Bitkom: Digitaler Zahlungsverkehr auf DLT & Blockchain

Frankfurt, 15.01.2020 Der Arbeitskreis „Digitaler Zahlungsverkehr“ des Bitkom hat es sich zur Aufgabe gemacht als kompetenter Gesprächspartner für Digital Banking Themen für Politik & Aufsicht zu agieren, Zukunftsthemen und regulatorische Herausforderungen für den digitalen Zahlungsverkehr frühzeitig zu adressieren und den Austausch unter den Bitkom-Mitgliedern, insbesondere FinTechs, Banken und Tech-Unternehmen, zu fördern (mehr erfahren >>). Bei dieser Zielsetzung ist es nicht verwunderlich, dass die Auftakt Veranstaltung des Arbeitskreises für 2020 ganz im Zeichen der Distributed Ledger Technologie und Blockchain Payments stand. Mehr als 50 Teilnehmer aus Banking, Payment und Handel wohnten der Veranstaltung bei und diskutierten die Potentiale und Herausforderungen von privaten Stablecoins wie Libra, klassischen Kryptowährungen wie Dash, Firmenwährungen und einem eventuellen Euro auf der Blockchain.

Unternehmenswährungen: die Zukunft des Payment?

Nach der üblichen Bekanntgabe der Veranstaltungsagenda und der Vorstellung der strategischen Ausrichtung des Arbeitskreises für das Jahr 2020 durch den AK Vorstand Dr. Matthias Terlau, begann Peter Reuschel (COO https://www.leondrino.com/) mit seinem Vortrag zum Thema Firmenwährungen. Laut Reuschel werden diese in Zukunft ganz neue Potentiale für die Kundenbindung von Handelsunternehmen und Markenartiklern erschließen. Erste Projekte in der Gastronomie seien bereits in der Vorbereitung. Diese werden sich zunächst auf das B2B Geschäft beziehen, aber auch Umsetzungen im B2C Segment seien bereits geplant. Ob und wenn wie Firmenwährungen auf Blockchain Basis tatsächlich Einzug in den digitalen Zahlungsverkehr erhalten werden, bleibt abzuwarten. Interesse auf Seiten der Industrie scheint jedoch vorhanden zu sein.

Dash als alternatives Zahlungsmittel am POS und im E-Commerce

Im nächsten Programmpunkt „Kryptowährungen als Zahlungsmittel für POS & E-Commerce“ gab Jan Heinrich Meyer (CEO https://www.dash-embassy.org) eine Einführung in die 2014 gegründete Kryptowährung Dash (kurz für Digital Cash), die mittlerweile zu den am häufigsten verwendeten Kryptowährungen im Zahlungsverkehr zählt. Meyer erläuterte die go to Market Strategie von Dash in Europa und lieferte spannende Insights zur voranschreitenden Akzeptanz der auf Payments spezialisierten Kryptowährung. So existieren bereits über 30.000 Akzeptanzstellen für Zahlungen mit Dash in Europa. Ziel sei es diese Anzahl durch strategische Zusammenarbeit mit Zahlungsdienstleistern und Herstellern von Kassensystemen innerhalb der kommenden zwei Jahre signifikant zu steigern. Wie Pressemitteilungen von Worldline (mehr erfahren >>) und Ingenico (mehr erfahren >>) zu entnehmen ist, ein durchaus realistisches Szenario.

Vor allem seitens des Handels wurde reges Interesse an Meyers Vortrag laut, so dass auch hier in Zukunft möglicherweise Potenziale für die Akzeptanz von Dash erschlossen werden können. Sollte dem so sein, wäre dies eine absolut erfreuliche Entwicklung, da auf diese Weise die Wertschöpfungskette im Payment am POS erheblich effizienter gestaltet werden könnte. Die Präsentation von Jan Heinrich Meyer kann hier als PDF >> eingesehen werden.

Die neue Aufsicht über das Kryptoverwahrgeschäft

Nadim Ayyad bei der Bitkom
Nadim Ayyad (BaFin)

Spätestens seit der Verabschiedung der Blockchain Strategie durch den Bundestag (mehr erfahren >>) ist die Regulierung von Kryptowerten wohl eines der im Zusammenhang mit Blockchain am häufigsten besprochenen Themen in den einschlägigen Medien. In seinem Vortrag „Die neue Aufsicht über das Kryptoverwahrgeschäft“ erläuterte Nadim Ayyad von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) die seit Anfang 2020 geltenden regulatorischen Rahmenbedingungen für das Verwahren von Kryptowährungen. Die Verwahrung darf in Zukunft nur mit entsprechender Lizenz erfolgen, welche ab sofort auch von Banken und anderen Finanzdienstleistungsinstituten beantragt werden kann. Weitere Informationen zum Prozess finden sich auf der Website der BaFin >> . Die Frage nach der Anwendbarkeit von PSD2 auf Zahlungen mit Kryptowährungen, sowie die nach der konkreten Regulierung von Cloud basierten Custody Lösungen konnte nicht final geklärt werden.

Digitalagenda, Libra & Blockchain

Einer der meist diskutierten Vorträge der Sitzung war wohl der von AK Vorstand und Rechtsanwalt Dr. Matthias Terlau (https://www.goerg.de) zum Thema Libra. In seiner Präsentation stellte Terlau die grundlegende Architektur des von der Libra Association geplanten Stablecoins vor und nahm eine unverbindliche rechtliche Einstufung des Projekts vor. In der angeschlossenen Fragerunde wurde vor allem die potenzielle Bedrohung für die Privatsphäre der Nutzer und der Angriff auf die bestehenden staatlichen Währungen diskutiert. Der Großteil der Diskussionsteilnehmer schien dem unter Federführung von Facebook stehenden Projekt eher skeptisch gegenüber zu stehen.

Euro auf der Blockchain

Auf die Frage, ob die Bundesregierung bereits an einer Antwort auf die Libra und andere Blockchain basierte Währungen arbeite, antwortete Dr. Heike Winter (Bundesbank) mit dem bereits häufig verwendeten Zitat „Get ahead of the curve“ von Christine Lagarde (EZB). Es würden bereits verschiedene Ideen zu einer Umsetzung eines Euro auf der Blockchain diskutiert und geprüft. Eine der zentralen Fragen sei, welche Rolle die Geschäftsbanken in diesem Szenario einnehmen würden. In der folgenden, von Maike Hornung (VISA) moderierten, Diskussion wurde immer wieder auch ein Blick in Richtung Asien geworfen, wo staatliche Währungen auf der Blockchain wohl bereits in naher Zukunft Realität werden könnten. Ob EZB und Bundesbank es schaffen werden, dem „ahead of the curve“ Ausspruch tatsächlich gerecht zu werden, ist derzeit zwar fraglich, aber selbstverständlich nicht ausgeschlossen.

Unser Fazit

Die Marktmacht von Zentralbanken, Internet-Konzernen und Markenartiklern ist im Vergleich zu der von dezentralen Open Source Projekten wie Bitcoin oder Dash absolut überwältigend. Dennoch scheint Dash aktuell einen kleinen Vorsprung gegenüber den zuvor genannten Lösungen zu haben. Um diesen zu halten gilt es zum einen die bestehenden Kooperationen mit der Payment Industrie auszubauen und zum anderen massiv in die Aufklärungsarbeit über das bestehende Geldsystemen zu investieren. 

Die regulatorischen Rahmenbedingungen sind geschaffen. Nun ist es an der Zeit eine umfassende Strategie für die Adaption von Dash zu entwickeln und diese gemeinsam mit unseren Partnern umzusetzen. Wir freuen uns auf die bereits vereinbarten Follow-Up Gespräche und Workshops mit Industrie und Handel und hoffen auf eine weiterhin positive Entwicklung für Dash und den gesamten dezentralen Teil der Blockchain Bewegung.